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Blackwork Tattoo Artist im Porträt: Hanumantra

Der britische Blackwork-Artist Hanumantra kreiert unverwechselbare Blackwork Tattoos, die er auf die Anatomie seiner Kundschaft zuschneidet. Wir haben mit ihm über seine Inspiration und die Motivation hinter seiner Arbeit gesprochen.

Blackwork Tattoo von Hanumantra

Was bedeutet der Begriff ‚Blackwork‘ für dich?

In den letzten Jahren ist der Begriff Blackwork regelrecht explodiert, und was er für die Leute bedeutet, ist sehr unterschiedlich. Für mich hat ein Blackwork Tattoo immer ein paar wesentliche Grundlagen: große, satt mit Farbe gefüllte Hautflächen, die auf dem Körper in Balance sind und eine visuell eindrucksvolle Ästhetik erzeugen. Ein sorgfältig durchdachtes, gut gearbeitetes Design, das zur Trägerin oder zum Träger passt und mit ihnen arbeitet. Und, neben anderen Elementen, eine gewisse Kante, die das Tattoo vom Grundrauschen abhebt, zu dem das Mainstream-Tätowieren geworden ist.

Großflächiges Blackwork Tattoo am Körper

Wie würdest du deinen Tattoo-Stil beschreiben?

Heute beschreibe ich meine Arbeit als Blackwork, alte Gewohnheiten legt man eben schwer ab. Nach aktuellem Verständnis umfasst dieser Begriff so viele verschiedene Stile, von Neo-Tribal über Fine Line bis zu Dotwork-Illustrationen und allem dazwischen, dass man kaum noch weiß, was ein Blackwork Tattoo eigentlich ist. Wie meine Arbeit heißt, beschäftigt mich aber nicht wirklich, denn ich will Tattoos schaffen, die für sich selbst sprechen, egal in welche Kategorie Leute sie stecken. Um William Shakespeare zu zitieren: „Was wir Rose nennen, würde unter jedem anderen Namen genauso süß duften.“

Blackwork Tattoo von Hanumantra am Arm

Du bist viel durch Asien, Australien und Mittelamerika gereist. Wie hat das deine Kunst beeinflusst?

Die Jahre, die ich auf Reisen verbracht habe, haben meine Arbeit unermesslich beeinflusst und inspiriert. Jeder Ort, den ich besucht habe, jeder Mensch, den ich getroffen habe, und jede Erfahrung, die ich gemacht habe, hat geprägt, wer ich bin und wie ich die Welt wahrnehme. Unsere Wahrnehmung ist vielleicht unser wertvollstes Werkzeug, die Linse, durch die wir unsere Realität sehen und formen. Für diese Art des Lernens und die Tiefe des Verständnisses, die sie ermöglicht, gibt es keine Abkürzung. Ich lasse mich von den verschiedenen Ländern und Kulturen inspirieren, die ich besucht habe, und stelle mir dann vor, wie die Zukunft des Blackwork-Tätowierens aussehen könnte. Die Menschen aus dieser erdachten Zukunft nutze ich heute als Referenz für meine Tattoos und für einige meiner konzeptionellen Kunstwerke. Tätowieren für die Stämme von morgen.

Blackwork Tattoo inspiriert von Reisen und Kulturen

Du beschreibst deine Tattoos als Rüstungen, die speziell für jede Person entworfen werden, und den Prozess als Übergangsritual. Das klingt, als hätte deine Arbeit etwas Spirituelles. Würdest du dem zustimmen?

Das komplette Design entsteht, während die Person vor mir steht und ich freihand mit einem Stift direkt auf ihre Haut zeichne. Es braucht eine Menge Vertrauen, sich so auf ein Tattoo einzulassen, aber genau auf diesem Fundament aus Vertrauen muss das Tattoo aufgebaut sein, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Ich glaube, ein Tattoo sollte die natürliche Schönheit des menschlichen Körpers unterstreichen. Deshalb ist es entscheidend, dass ein Tattoo zur Person passt und mit ihrer Muskulatur und ihren Konturen fließt. Das lässt sich nur wirklich erreichen, wenn man direkt auf die Haut zeichnet. Es ist wie ein maßgeschneiderter Anzug im Vergleich zu einem von der Stange.

Direkt auf der Haut zu arbeiten hat außerdem den Vorteil, dass man das Design seltener überfrachtet. Ich halte meine Arbeit gern minimalistisch, und je minimalistischer das Design, desto mehr Aufmerksamkeit braucht das, was da ist. So stelle ich auch sicher, dass das Tattoo im richtigen Maßstab zur Person passt und nicht unstimmig wirkt, wenn man den Körper als Ganzes betrachtet. Das richtige Tattoo auf der richtigen Person sollte aussehen, als wäre es schon immer da gewesen.

Freihand gezeichnetes Blackwork Tattoo

Ich weiß nicht genau, was einem Tattoo oder überhaupt irgendetwas eine spirituelle Qualität gibt. Was ich weiß: Wenn ich jemanden tätowiere, verändere ich nicht nur, wie die Person aussieht, sondern auch, wie sie sich selbst sieht, bis zu dem Tag, an dem sie stirbt. Ein Tattoo von mir ist ein Geschenk bis ins Grab, deshalb soll es eine positive Veränderung sein, eine Weiterentwicklung dessen, wer sie ist. Ich sehe meine Tattoos als Schutzschicht, als Talisman, der unter der Hautoberfläche liegt. Ein äußeres Zeichen der inneren Stärke, jenseits des Körperlichen, eine Rüstung für die Seele. Wenn das spirituell ist, dann ist es eben so, aber es ist nichts, dem ich hinterherjage.

Was inspiriert dich beim Tätowieren am meisten?

Am meisten inspiriert es mich heute, meiner Kundschaft hier im UN1TY die bestmögliche Erfahrung zu bieten. In einem Umfeld zu arbeiten, das Menschen ermutigt, die Vision zu verwirklichen, die sie von sich selbst haben. Und weiterhin einen positiven Einfluss auf das Leben der Menschen zu haben, die mir ihre Haut und ihr Vertrauen anvertrauen.

Blackwork Tattoo aus dem UN1TY Studio

Hanumantra arbeitet im UN1TY Studio in Shrewsbury, Großbritannien. Mehr von seiner Arbeit findest du auf Instagram @hanumantra.