Der obdachlose Tätowierer Drioli trägt ein Rücken-Tattoo des berühmten, längst verstorbenen Malers Chaïm Soutine. Eines Tages stößt Drioli zufällig auf eine Ausstellung mit Soutines Werken. Zuerst ist er in der Galerie nicht willkommen. Doch als der Galeriebesitzer das Kunstwerk auf seiner Haut entdeckt, werden Drioli riesige Summen für das Tattoo geboten, sogar eine Entfernung per Hauttransplantation steht im Raum. Am Ende wird ihm ein Leben in Luxus angeboten, als lebendes Kunstwerk. Das Ende von Roald Dahls Kurzgeschichte Die Haut nimmt eine finstere Wendung, als ein gerahmtes und lackiertes Werk von Soutine, das genau wie Driolis Tattoo aussieht, bei einer Auktion auftaucht ... Wenn ich daran denke, dass Haut vom Körper entfernt wird, verfolgt mich außerdem der Horrorfilm Martyrs: Anna will ihrer traumatisierten Freundin helfen, die als Kind von einer Sekte gefoltert wurde, wird aber selbst zum neuesten Versuchsobjekt der Sekte, und am Ende wird ihr bei lebendigem Leib die Haut abgezogen ... brutal.
Bei diesen albtraumhaften Szenen bekomme ich auf jedem Zentimeter meiner tätowierten Haut Gänsehaut. Aber hast du dir schon mal überlegt, was mit den Kunstwerken auf deiner eigenen Haut passiert, wenn du tot bist? Passend zur Gruselsaison zeigen wir dir ein paar Beispiele für konservierte tätowierte Haut, die Verstorbenen entnommen wurde:
Der Bodysuit-Sammler: konservierte tätowierte Haut in Tokio
Der Pathologe Dr. Fukushi Masaichi (1878 bis 1956), Spitzname „der Bodysuit-Sammler“, hatte eine Leidenschaft für Irezumi (das japanische Wort für Tattoo). Also begann er, tätowierte Menschenhaut zu sammeln. Mit ihrer Zustimmung entfernte Dr. Fukushi Menschen nach ihrem Tod die Haut und bewahrte die Tattoos im Medical Pathology Museum in Tokio auf. Die Haut wurde vom Körper gelöst, Nerven und Gewebe wurden abgeschabt. Er nutzte entweder die Trocken- oder die Nassmethode: Bei der ersten wurde die Haut gespannt und zum Trocknen festgesteckt, bei der zweiten in Glycerin oder Formalin eingelegt. Im Museum in Tokio lagern über 100 Häute, darunter komplette Bodysuits, dazu 3.000 Fotos mit detaillierten Notizen. Leider ist es nur selten für die Öffentlichkeit zugänglich. Der legendäre amerikanische Tätowierer Don Ed Hardy wurde 1983 jedoch eingeladen. In seinen Memoiren Wear Your Dreams: My Life in Tattoos schreibt Hardy, dass Dr. Fukushi die Häute über seine Arbeit im Krankenhaus bekam: Er bot Menschen Geld an, „damit sie ihre Tattoos fertigstellen lassen konnten, unter der Bedingung, dass er das Tattoo nach ihrem Tod entnehmen durfte.“
Die sibirische Prinzessin
Die Überreste einer prächtig gekleideten „Prinzessin“, etwa 25 Jahre alt und über Jahrtausende im sibirischen Frost konserviert, der wie ein natürlicher Gefrierschrank wirkte, wurden 1993 von der Wissenschaftlerin Natalia Polosmak bei einer Expedition entdeckt. Die Mumie ist von den Schultern bis zum Handgelenk mit Tattoos bedeckt. „Das ist Tattoo-Kunst auf phänomenalem Niveau“, sagte Polosmak. Eines der Tattoos auf der linken Schulter sieht aus wie ein mythologisches Mischwesen: ein Hirsch mit Greifenschnabel und Steinbockgeweih. Die Mumie wurde als Frau vom nomadischen Volk der Pasyryk identifiziert (verwandt mit den Skythen, die vor mehr als 2.600 Jahren zwischen dem 7. und 3. Jahrhundert v. Chr. lebten).
Der Mann aus dem Eis mit Holzkohle-Tattoos
Noch ein tätowierter Körper, der vom Eis konserviert wurde. Ötzi, der „Mann aus dem Eis“, wurde 1991 von zwei Wandernden in den Alpen an der Grenze zwischen Österreich und Italien entdeckt. Man geht davon aus, dass Ötzi um 3.500 v. Chr. starb, und Forschende haben insgesamt 61 Tattoos an seinem Körper gefunden. Die Tattoos entstanden vermutlich, indem Holzkohle in kleine Schnitte eingerieben wurde.
Das Museum mit tätowierten Häuten
Die Wellcome Collection in London beherbergt eine Sammlung konservierter tätowierter Menschenhaut, Schrumpfköpfe und Instrumente für chirurgische Amputationen. Eine dieser Häute aus der Zeit um 1900 zeigt mehrere Frauenköpfe, einige mit Hut, dazwischen flattern Schmetterlinge. Die Designs erinnern an Motive, die bis heute gestochen werden. Das Tattoo gehörte einst dem Pariser Chirurgen Dr. Villette, der in Militärkrankenhäusern arbeitete und Hunderte Proben von den Körpern gefallener französischer Soldaten sammelte und konservierte.

Bildnachweis: Menschenhaut mit Tattoos von Frauenköpfen, Frankreich, 1900 bis 1920. Science Museum, London
Die „Hexe von Buchenwald“
Zu ihren Spitznamen gehörten „Die Bestie von Buchenwald“, „Die Königin von Buchenwald“, „Die Hexe von Buchenwald“, „Die Schlächterwitwe“ und „Die Kommandeuse“. Ilse Koch, Ehefrau von Karl-Otto Koch, dem Kommandanten des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Buchenwald, war berüchtigt dafür, dass sie tätowierte männliche Häftlinge töten ließ und aus ihrer Haut angeblich Lampenschirme, Alben und Tischdecken fertigen ließ. Ein Fotoalbum aus der Haut eines Häftlings wurde von einem Sammler auf einem Antiquitätenmarkt in Polen entdeckt. Er beschrieb, der Einband habe „ein Tattoo, menschliches Haar und einen üblen Geruch“ gehabt.