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Warum sind Tattoos so teuer? Das steckt im Tattoo-Preis

Warum sind Tattoos so teuer? Wir schlüsseln es auf...

Money, money, money. Geld ist eines dieser Themen, über die man immer ungern spricht. Und auch bei Tattoos ist es heikel. Einen Einheitspreis fürs Tätowieren gibt es nicht. Und jeder Tattoo-Artist scheint anders abzurechnen: Manche berechnen pro Motiv, andere nach Stundensatz, wieder andere einen Tagessatz. Und ja, Tattoos kosten oft richtig viel Geld. Warum sind Tattoos so teuer? „Good tattoos aren’t cheap, cheap tattoos aren’t good“, also „Gute Tattoos sind nicht billig, billige Tattoos sind nicht gut“, lautet das berühmte Zitat von Tattoo-Legende Sailor Jerry.

Also haben wir Tattoo-Artist und Inhaberin des Tattoostudios Cock A Snook Kerry-Anne (Kezz) Richardson, die außerdem als Tattoo-Mentorin unter @tattoosmarter arbeitet, gefragt, warum Tattoos so viel Geld kosten… „Es gibt eine verdammte Riesenmenge an Dingen, für die Artists und Studios bezahlen und die in die Kosten eines Tattoos einfließen“, erklärt sie. „Die meisten Kundinnen und Kunden, und ehrlich gesagt auch manche Artists, denken darüber nicht mal nach.“ Okay, legen wir los…

Geld ist das größte Tabu beim Tätowieren. Warum ist es so schwer, darüber zu reden? Und warum ist es so schwer, den Wert eines Tattoos zu bestimmen?

„Die Leute haben riesige Angst, verurteilt zu werden oder gierig zu wirken“, sagt Kezz. „Ein Teil davon ist auch Wahrnehmung. Ich habe viele großartige Tattoos gesehen, die sowohl Tattoo-Artists als auch Kundschaft ‚zu teuer‘ fanden, und Schrott-Tattoos, die als zu billig galten.“

Aber meistens läuft es darauf hinaus, dass Geld ein Tabu ist, oder? „Wenn ein Tattoo-Artist dir einen Preis nennt, der über deinem Budget liegt, ist dir das vielleicht peinlich“, sagt Kezz. „Das ließe sich leicht lösen, wenn Tattoo-Artists transparenter mit ihren Preisen umgehen würden. Artists sollten ihre Preise gleich von Anfang an nennen, damit sich die Kundschaft schon entschieden hat, bevor sie überhaupt Kontakt aufnimmt.“

Okay, schauen wir uns die echten Kosten eines Tattoos an

Betrachte das hier als Anatomie des Endpreises eines Tattoos: alles, was in das Design fließt, das am Ende in deiner Haut landet. Wenn du das nächste Mal bezahlst, denk an all das.

„Der Preis eines Tattoos deckt Folgendes ab: Ausrüstung wie Maschinen und Netzteile, Nadeln und Farbe, Tattoo-Möbel wie Armlehnen und Lampen sowie Verbrauchsmaterial, das weit über Küchenrolle und Frischhaltefolie hinausgeht“, erklärt Kezz. „Tattoo-Artists zahlen außerdem eine Studiomiete, um dort arbeiten zu dürfen.“ Das kann ein fester Betrag pro Tag sein oder ein Prozentsatz vom Endpreis des Tattoos.

Im Preis eines Tattoos stecken außerdem: „Verwaltung, Zeit auf Social Media, Werbekosten, Weiterbildungen und Kurse, Versicherungen, Steuern und Sozialabgaben, Buchhaltungskosten, Urlaubsgeld, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Altersvorsorge [zur Info: Die meisten Tattoo-Artists arbeiten selbstständig], App- und Technikgebühren, Bank- und Kartengebühren“, zählt Kezz auf. Puh, an so vieles hatten wir gar nicht gedacht. Und das ist erst der Anfang.

Was beeinflusst den Tattoo-Preis noch?

„Erfahrung“, sagt Kezz. Für ein Tattoo von jemandem in der Ausbildung, der gerade erst in der Tattoo-Welt anfängt, zahlst du nicht so viel wie bei einem Artist, der sein Handwerk über Jahrzehnte perfektioniert hat. Dazu kommen Recherche- und Zeichenzeit, also die Stunden, die der Artist schon in dein Tattoo gesteckt hat, bevor du dich auf den Stuhl setzt. „Du solltest auch bedenken, wie sichtbar oder schwierig das Tattoo ist“, erklärt Kezz. Manche Körperstellen sind viel schwieriger zu tätowieren als andere.

Und damit ist noch nicht Schluss. Dazu kommen die Kosten für den Betrieb eines Tattoostudios. „Energiekosten, Miete, Wasser, das Gehalt der Studiomanagerin, Entsorgung von Sondermüll, Gewerbemüll, Reinigungskosten und Desinfektionsmittel in Krankenhausqualität, Instandhaltung des Studios, Wartung von Autoklav und Stencil-Drucker: Die Liste ist endlos“, sagt Kezz.

Warum wird beim Tätowieren so oft bar bezahlt?

„Für manche Tattoo-Artists ist ‚nur Bares‘ der Mittelfinger gegen ‚das System‘, aber viele gehen mit der Zeit und haben inzwischen Kartenlesegeräte“, erklärt Kezz.

Und wenn du bar bezahlst, bekommst du dann eine Quittung für dein Tattoo? „Du kannst auf jeden Fall eine Quittung für ein Tattoo bekommen“, sagt Kezz, „aber ehrlich gesagt hätten viele Studios gar nicht die Möglichkeit, dir eine gedruckte Quittung zu geben.“

Sind manche Tattoos zu teuer? Und manche zu billig?

Es ist kompliziert. „Zu viele Tattoo-Artists lassen sich beim Preis von Gefühlen leiten oder davon, was sie von ihrer Kundschaft halten. Manche setzen den Preis sogar danach fest, was sich ihre Kundschaft ihrer Meinung nach leisten kann“, erklärt Kezz zur Subjektivität von Preisen. „Aber wenn ein Tattoo technisch nicht sauber ist oder die Erfahrung schlecht war, dann kann man dieses Tattoo als zu teuer ansehen. Wenn es Mist ist, ist es Mist. Darin steckt kein Wert.“

Und wenn dein Artist nur einen geschätzten Preis nennen kann?

Und was, wenn du dir den Gesamtbetrag am Ende gar nicht leisten kannst, während dein frisches Tattoo gerade in Folie gewickelt wird? Die Panik steigt, und du denkst: WTF, wie viel? „Bei größeren Motiven ist es schwieriger, einen genauen Preis zu nennen“, erklärt Kezz. „Aber mit Erfahrung sollte ein Tattoo-Artist sagen können: ‚Das werden X Sitzungen zu einem Tagessatz von XX‘, damit du ein Angebot für das gesamte Motiv hast. Eine Preisspanne mit Obergrenze ist eine gute Idee, damit die Kundschaft damit planen kann. Ich finde auch, dass wir als Tattoo-Artists die Verantwortung haben, uns so gut wie möglich an unsere Angebote zu halten, damit niemand überrumpelt wird. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn sich manche Haut viel schwerer tätowieren lässt oder jemand schlecht stillhalten kann. Aber das sollte man mit der Kundschaft besprechen, damit die Erwartungen aller klar sind.“

Transparenz sollte das A und O sein. „Scheiß auf jeden Tattoo-Artist, der der Kundschaft eine überraschende Preiserhöhung reindrückt“, sagt Kezz. „Das ist unethischer Bullshit.“

Vergleich keine Preise, das schadet der Branche

Als wir mit diesem Guide angefangen haben, wollten wir eigentlich Bilder von Tattoos zeigen und dazuschreiben, was sie gekostet haben, vielleicht sogar ein „teures“ Tattoo neben ein „billiges“ stellen. Kezz möchte aber Tattoo-Artists und Kundschaft gleichermaßen darauf hinweisen, dass man Preise zwischen Artists nicht vergleichen sollte. „Du bekommst nie dasselbe Tattoo von zwei verschiedenen Artists“, sagt sie. „Ich möchte keinen Vergleich anstellen. Preise basieren auf Daten (Kosten, Nachfrage usw.), wie ich oben gesagt habe. Preise sollten nicht aus dem Nichts gegriffen sein. Ein Tattoo-Artist sollte transparent sein, und wenn jemand das zu teuer findet, bucht er eben nicht.“

Und zum Schluss: Sollte ich meinem Tattoo-Artist Trinkgeld geben?

Wenn du willst, dann ja, mach ruhig. „Ich versuche immer, allen Selbstständigen Trinkgeld für ihre Arbeit zu geben“, sagt Kezz. „Aber ich erwarte es nicht von meiner Kundschaft. Tattoo-Artists, die ihre Preise richtig kalkulieren, brauchen kein Trinkgeld, sie freuen sich aber trotzdem darüber.“

Wow, an so vieles hatten wir nicht gedacht. Wenn du dich also das nächste Mal tätowieren lässt, denk an all die Stunden, die Erfahrung, die Studiokosten und alles andere, was in das Design fließt, das du dein Leben lang auf der Haut trägst… Da steckt viel mehr dahinter, als du vielleicht zuerst denkst.

Foto im Header: Tattoo-Sparschwein von Exquisite Corpse Ink auf Etsy.