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Mastektomie Tattoo: Ratgeber zu Brustwarzen- und Narben-Tattoos

Jedes Jahr erhalten allein in Großbritannien rund 55.000 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Viele müssen die herzzerreißende Entscheidung für eine Form der Mastektomie treffen, also die teilweise oder vollständige Entfernung der Brust. Auch wenn diese Operation Leben retten kann, ist es oft traumatisch, einen Teil des Körpers zu verlieren und neue Narben zu akzeptieren. Einer der heilsamsten Wege, sich den Körper nach der OP zurückzuholen, kann ein Mastektomie Tattoo sein ...

Eine Tattoo-Artist, die Frauen auf diesem Weg begleitet, ist Tanya Buxton. Sie hat die Mastectomy Tattooing Alliance gegründet, um Brustkrebs-Überlebende zu unterstützen und sie mit Tattoo-Artists zusammenzubringen, die realistische Areola-Tattoos oder aufwendige Kunstwerke über ihren Narben stechen. Tanya möchte, dass die Welt von der verwandelnden Kraft des Tätowierens erfährt: Sie will das Stigma rund um das Wort „Tattoo“ abbauen und zeigen, wie heilsam der Prozess sein kann. Hier erzählt sie uns alles, was du über Mastektomie- und Areola-Tattoos wissen musst, gibt Tipps für Brustkrebspatientinnen und erklärt, warum sie die Mastectomy Tattooing Alliance gegründet hat.

Tattoo-Artist Tanya Buxton


Das Wichtigste zuerst: Was ist ein Mastektomie Tattoo eigentlich?

Nach einer Mastektomie gibt es je nach Operation und Rekonstruktion verschiedene Möglichkeiten. Wenn die Brustwarze entfernt wurde, kannst du dir ein realistisches 3D-Brustwarzen-Tattoo mit Areola stechen lassen: Dabei entsteht auf flacher Haut eine dreidimensional wirkende Brustwarze mit Warzenhof, eine Art optische Illusion. Entweder für beide Seiten oder, bei einer einseitigen Mastektomie, als Nachbildung der verbliebenen Brustwarze. Es geht vor allem darum, Balance zu schaffen. Manchmal rekonstruieren Chirurginnen und Chirurgen die Brustwarze, indem sie ein Stück Haut zu einer kleinen Erhebung formen und auf die Brust setzen. Auch diese Erhebung kann tätowiert werden, damit sie natürlicher aussieht.

Dann gibt es klassische Tattoo-Designs, mit denen man Narben kaschieren oder feiern kann, je nachdem, wie man zu ihnen steht. Es gibt so viele Variablen. Manchmal sind Brustrekonstruktionen nicht symmetrisch, also habe ich schon Tattoos gestochen, die Rundungen erzeugen oder die Illusion schaffen, dass beide Seiten gleich groß sind. Und dann gibt es Frauen, die sich gegen eine Rekonstruktion entscheiden und flach bleiben (aus medizinischen Gründen oder aus persönlicher Vorliebe). Dafür ist klassisches Tätowieren wunderbar. Es gibt Tattoos, die mit dem Körper fließen und dort eine Rundung andeuten, wo die Brüste waren, oder du lässt ein komplettes Kunstwerk entstehen, das einfach zu deinem Körper passt, ohne überhaupt eine Brustform nachzubilden. Für jede ist etwas dabei, egal welche Art von Brustkrebs, Rekonstruktion oder Mastektomie du hattest: Mit Tattoos gibt es immer eine Option, und genau das liebe ich daran.

Wie lange sollte man nach der OP mit einem Tattoo warten?

Normalerweise etwa ein Jahr nach Operation und Behandlung. Vor allem eine Strahlentherapie kann die Haut schädigen, deshalb braucht die Haut Zeit, um sich zu erholen. Dazu kommt das Narbengewebe von der OP, das sich vollständig setzen und ausreifen muss, bevor man darüber tätowieren kann. Auch eine Chemotherapie setzt dem Immunsystem stark zu. Mindestens ein Jahr nach Behandlung und Operation bedeutet, dass alles Zeit zum Heilen hat.

Was sollten Brustkrebs-Überlebende über Tattoos wissen?

Schon das Wort Tattoo kann bedrohlich klingen. Ich finde es wichtig, aufzuklären, was ein Tattoo wirklich bedeutet. Brustkrebs-Überlebenden wird oft erzählt, dass Areola-Tattoos mit semipermanenter Farbe gemacht werden, mit so etwas wie Pflanzenfarbe. Aber es ist trotzdem Pigment, das in die Haut kommt, also ist es trotzdem ein Tattoo: Es kann verblassen, wird aber wahrscheinlich nicht verschwinden. Dauerhaft muss nicht bedrohlich heißen, es kann sogar besser sein. Genau deshalb habe ich mein Studio Paradise Tattoo Studio [in Cheltenham] gegründet. Viele Menschen, die ein Mastektomie Tattoo möchten, waren noch nie tätowiert, und ich wollte sicherstellen, dass sie einen einladenden Ort haben.

Mein Studio ist warm und offen für alle, ein sicherer Ort, egal woher du kommst, egal welche Community, welches Alter, welches Geschlecht oder welche Herkunft. Ich liebe es, dass Tattoos Momente im Leben markieren: Vielleicht hast du dich von deinem Freund getrennt und willst ein neues Tattoo, vielleicht möchtest du ein Familienmitglied ehren, oder, im Fall von Mastektomie-Tattoos, das Ende deiner Genesung markieren. Es ist eine Erfahrung, die meine Kundinnen nie vergessen.

Vorher

Brust nach Mastektomie vor dem Tattoo

Nachher

Brust nach Mastektomie mit realistischem Areola-Tattoo

Was ist die Mastectomy Tattooing Alliance (MTA) und warum hast du sie gegründet?

Ich glaube, wie sehr es einen trifft, einen Teil des Körpers zu verlieren und keine Brustwarze mehr zu haben, wird oft massiv unterschätzt. Patientinnen durchlaufen diese lebensrettende Behandlung und werden danach mit ihrem Leben allein gelassen. Aber oft ist das gar nicht so einfach. Eine Mastektomie ist eine Amputation. Und Brüste können ein so wichtiger Teil der Identität einer Frau sein: Manche Frauen können sich nicht einmal mehr im Spiegel ansehen und wollen vor ihrem Partner nicht mehr nackt sein. Ich habe die MTA gegründet, um Frauen zu helfen, sich ihren Körper zurückzuholen. Tätowieren kann weit über dekorative oder kosmetische Gründe hinausgehen.

Im Moment werden Areola-Tattoos hauptsächlich von kosmetischen Tätowiererinnen oder von Pflegekräften im Krankenhaus gemacht. Und die Pflegekräfte sind sowieso schon extrem eingespannt, viele haben nur einen kurzen Kurs über Brustwarzen-Tattoos von zwei oder drei Tagen besucht. Ich habe mich gefragt: Warum machen das nicht mehr Tattoo-Artists? Wir sind doch die Spezialisten dafür, Farbe in die Haut zu bringen. Mit der MTA möchte ich deshalb Bewusstsein schaffen, damit mehr Ärztinnen, Ärzte und Chirurgen im NHS, dem britischen Gesundheitssystem, wissen, was wir anbieten können. Ich habe ein kleines Verzeichnis geprüfter Artists zusammengestellt: Alle müssen bestimmte Kriterien erfüllen, ihre Arbeiten werden geprüft und sie brauchen ein gewisses Maß an Erfahrung.

Die MTA ist so etwas wie eine Vermittlerin: Patientinnen können auf die Website gehen, sich die Artists im Verzeichnis ansehen und sich darauf verlassen, dass jemand, den wir geprüft haben, eine bestimmte Qualität liefert. Außerdem können wir die Tattoo-Artists über Fördergelder bezahlen, sodass sie für ihre Arbeit entlohnt werden und die Patientinnen ihre Tattoos kostenlos bekommen. Ich habe ein E-Book über den ganzen Ablauf geschrieben, das alle Fragen beantwortet und auf der Website heruntergeladen werden kann.

Mehr Infos findest du auf mastectomytattooingalliance.org, und auf Instagram kannst du @mastectomytattooingalliance folgen. Die MTA organisiert außerdem Flash Days in Studios im ganzen Vereinigten Königreich, um Spenden zu sammeln. Auf der Website erfährst du mehr darüber.