Eine berührende Reflexion der queeren/trans Tattoo-Artist Tommy Burley über Kunst als Ausdruck, Heilung und Zugehörigkeit.
Bild: S. Kilgannon (@alonglines)
F: Trau keinem Tattoo-Artist, der ... A: rumzickt, wenn die Schablone verschoben werden soll.
F: Nicht viele wissen, dass ... A: ich höllische Angst vor Ratten habe.
F: Morgen werde ich ... A: nichts tun, bevor ich nicht einen Kaffee hatte.
„Na, alles klar? Ich bin Tommy (he/they), queere/trans Tattoo-Artist und multidisziplinär kreativ, mit Basis in Brighton und London. Ich bin Resident-Artist bei FORT (@fort.london), einem nüchternen, queeren Non-Profit-Kollektiv in London, und im Top Boy Studio (@topboytattoo) in Brighton.
Tattoos sammle ich, seit ich 16 bin, aber mit dem Tätowieren selbst habe ich erst vor zwei Jahren angefangen, als (noch ein weiteres ADHS-)Hobby. Nur dass dieses schnell hängen geblieben und zu meinem Leben geworden ist. Seit meiner Kindheit war Zeichnen für mich ein sicherer Ort, an den ich flüchten konnte, aber auch ein Werkzeug, um mich auf eine Art auszudrücken, die ich nach außen nicht konnte. Mutig genug zu sein, der Welt meine Arbeit zu zeigen, und Menschen zu erleben, die ihre Haut für immer mit meinen albernen kleinen Zeichnungen schmücken wollen, hat mir unvorstellbar viel Freude gebracht. Ich glaube, meine Arbeit hat viele Menschen auf eine Weise angesprochen, die ich mir nie hätte vorstellen können, und mir geholfen, Community zu schaffen und aufzubauen.
Die Zusammenarbeit mit ASOS für ihre Pride-Kollektion 2024 und zu sehen, wie Menschen sie auf der ganzen Welt tragen, hat mir gezeigt, dass meine Arbeit über einzelne Tattoos oder Zeichnungen hinausgeht. Sie kann verbinden, inspirieren und queere/trans Erfahrungen sichtbar machen.
Ich bin in einer Kleinstadt in Essex aufgewachsen und hatte als queeres Kind kaum sichere Räume. Meine sicheren Orte waren der Fußballplatz oder mein Zimmer beim Zeichnen. Heute liegt es mir sehr am Herzen, auch für meine Kundschaft sicherere Räume zu schaffen. Ich arbeite konsensbasiert und traumasensibel, damit sich alle gesehen und gefeiert fühlen.“
Bild: El Dodds (@el__dodds)
„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Tätowieren eine Form von gender-affirmativer Fürsorge ist und ein Weg, uns unsere Körper zurückzuholen und neu zu gestalten. Wörter, religiöse Ikonografie und traditionelle Tattoo-Designs zurückzuerobern und zu queeren, ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Ich beschreibe meinen Stil gern als Fineline-Traditional trifft kompromisslos queer und sexy trifft Realismus trifft Chrome trifft Chicano.
Außer wenn ich male oder digital arbeite, zeichne ich fast ausschließlich mit schwarzem und blauem Kuli, egal ob groß- oder kleinformatig. Ich liebe es, wie simpel und billig das Werkzeug ist und dass man mit etwas so Alltäglichem wie einem Bic-Kuli atemberaubende, hyperrealistische und tonale Arbeiten schaffen kann. Ich komme außerdem aus der Arbeiterklasse, deshalb ist es mir wichtig, beim Kunstmachen einfallsreich mit den Mitteln umzugehen.“

„Die Idee, dass Queerness heilig ist, und die Rückeroberung spiritueller und religiöser Symbole sind große Themen in meiner Arbeit. Lange habe ich mich von mir selbst abgekoppelt gefühlt und mich gefragt, wo mein Platz in der Welt ist. Ich fühlte mich weit weg von Vorstellungen wie ‚Himmel‘ und Zugehörigkeit. Aber neu zu lernen, dass Community und Zuhause etwas sind, das wir gemeinsam aufbauen, hat mir einen neuen Blick darauf gegeben, was diese Worte für mich bedeuten.
Bild: S Kilgannon (@alonglines)
Durch das Kalenderprojekt von FORT 2024 habe ich wieder zu diesen Themen gefunden. Ich habe mit einer anderen trans Person aus der Kunst zum Motto ‚we build our own heavens‘ (wir bauen uns unseren eigenen Himmel) zusammengearbeitet, und das hat meine Arbeit wirklich in ein neues Licht gerückt. Gemeinsam aufzubauen, ob Kunst, Zuhause oder Community, und Transsein als heilige, geschützte gelebte Erfahrung zu sehen, sind zentrale Themen meiner Arbeit.“
Press Play: Tommy Burleys Playlist
Tommy Burley teilt eine Auswahl an Songs, die sein Leben und seine Kunst inspirieren. Die Tracks spiegeln seinen Weg, seine Kreativität und die Welt wider, die er durch Tätowieren und Queerness aufbaut.
Folge Tommy auf Instagram: @squarepegtattoo
