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Blackwork Tattoo Artist Derrick Burns: Tattoos und Techno

Blackwork Tattoo Artist Derrick Burns

Lerne den Blackwork Tattoo Artist aus Glasgow kennen, der in Barcelona kraftvolle Linien und Beats in perfekten Rhythmus bringt.

Tattoo-Artist und Studioinhaber Derrick Burns (@derrick___burns) ist noch nie einer Herausforderung aus dem Weg gegangen. Sein Stil, kraftvolles, detailreiches Blackwork, verlangt extreme Konzentration und Präzision, und das in einem Beruf, der beides ohnehin schon reichlich fordert.

„Ich komme aus einer fleißigen Arbeiterfamilie aus Glasgow, in der es normal war, füreinander da zu sein und alles zu geben“, erklärt er. „Diese Einstellung ist mir geblieben und hat mich immer angetrieben, mich in allem, was ich mache, weiterzuentwickeln.“

Diese Haltung hat ihm viel gebracht. Nicht nur am Tattoostuhl, sondern auch im Business, vor allem als er sein eigenes Studio eröffnet hat: Seny Tattoos (@seny_tattoos) im Herzen von Barcelona.

Als Unternehmer in einem neuen Land standen die Chancen nicht gerade gut für ihn. „Als ich nach Barcelona kam, kannte ich niemanden, nicht einen einzigen Tattoo-Artist, und ich sprach kein Wort Spanisch“, erinnert er sich. „Du kannst dir also vorstellen, wie schwer es war, ein Tattoostudio aus dem Nichts aufzubauen.“

Hier erzählt Derrick von Blackwork, Grenzen und davon, wie er eines der spannendsten Studios Barcelonas von Grund auf aufgebaut hat.

Was hat dich dazu gebracht, von Schottland nach Barcelona zu ziehen?

Ich hatte in Schottland ein Tattoostudio eröffnet, war aber regelmäßig fürs Sonar Festival in Barcelona. Elektronische Musik ist eine große Leidenschaft von mir, und ich lege auch selbst auf, das Festival hat mich also total angezogen. In den Jahren, in denen ich das Studio geführt habe, bin ich immer wieder nach Barcelona gekommen, und mit jedem Besuch wurde meine Verbindung zur Stadt stärker. Nach vier Jahren Hin und Her habe ich beschlossen, meinen Anteil am Geschäft in Schottland zu verkaufen und umzuziehen.

Ein eigenes Studio zu eröffnen und zu führen bringt sicher eigene Herausforderungen und Erfolge mit sich?

Ich habe Seny in Barcelona aus zwei Hauptgründen eröffnet: Erstens wollte ich etwas Eigenes in der Stadt aufbauen, in die ich mich verliebt hatte. Und zweitens wollte ich allein weitermachen, nachdem ich mit einem gemeinsam geführten Studio nicht die besten Erfahrungen gemacht hatte.

Die größten Hürden kamen am Anfang, erst bei der Eröffnung meines ersten Studios in Barcelona und jetzt wieder beim Start des neuen in Vila de Gràcia. Mit dem Umzug in neue Räume haben sich die Herausforderungen verschoben. Wir kämpfen nicht mehr mit denselben Problemen wie am Anfang. Aber ein größerer, zentralerer Standort bringt höhere Kosten und neue Verantwortung mit sich. Trotzdem hat sich das neue Studio schon als großartige Entscheidung erwiesen. Ich konnte noch mehr Artists dazuholen, und wir haben mehr Walk-in-Kundschaft als je zuvor.

Innenansicht von Seny Tattoos in Barcelona

Am meisten erfüllt mich definitiv, dass ich es allein gemacht habe. Ich hatte immer eine klare Vorstellung davon, was für ein Studio ich schaffen will, und mit jemand anderem zu arbeiten bedeutete oft, Kompromisse zu machen. Meine Vision nach meinen eigenen Vorstellungen umzusetzen und zu sehen, was ich über die Jahre aufgebaut habe, macht mich richtig stolz.

Wie bist du an die Atmosphäre und Ästhetik von Seny Tattoos herangegangen?

Ich hatte schon immer großes Interesse an Innenarchitektur, und ich glaube, das merkt man, wenn man in meine Studios kommt. Ich liebe es, Vintage und Modernes zu kombinieren, also industrielle Elemente mit natürlichen Farben und Texturen. Mein Ziel ist immer, dass sich der Raum wie ein Zuhause anfühlt: warm, einladend und voller Charakter.

Dieses Gefühl zieht sich auch durchs Team bei Seny. Auch wenn hier über 20 Artists arbeiten, ist es mir sehr wichtig, dass wir uns wie eine Familie fühlen. Ich glaube, diese Energie spürt auch unsere Kundschaft. Sie sieht es nicht nur, sie fühlt es, sobald sie zur Tür reinkommt.

Das Team und die Einrichtung von Seny Tattoos

Wie wählst du Artists für dein Studio aus, und worauf achtest du?

Bei so einem großen Team ist mir besonders wichtig, dass alle Artists ihren eigenen Stil haben. Das ist mit so vielen Leuten unter einem Dach nicht immer leicht, aber selbst wenn ein paar Artists in ähnlichen Stilen arbeiten, zum Beispiel Traditional, achte ich darauf, dass jeder seine eigene persönliche Note hat. So stechen alle einzeln heraus, und es entsteht kein Konkurrenzgefühl im Studio.

Neue Artists starten bei uns mit einer zweimonatigen Probezeit. So sehen wir, ob sie kreativ und menschlich passen, ob sie genug Aufträge reinholen und, genauso wichtig, ob sie gut ins restliche Team passen. Am Ende der Probezeit frage ich immer das aktuelle Team nach seiner Meinung. Das ist eine Gruppenentscheidung, denn die gute Energie, die wir hier aufgebaut haben, ist entscheidend dafür, dass das Studio funktioniert.

Wie hast du deinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt?

Ich würde meinen Stil als sattes, sauberes Blackwork beschreiben, stark inspiriert vom natürlichen Fluss und den Kurven des Körpers. Angefangen hat alles mit einem Cover-up, und von dort ist es Stück für Stück zu einer Art Bodysuit gewachsen. Ich habe mir früher viele verschiedene Stile tätowieren lassen, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich mit Blackwork, Tribal, Neo-Tribal und geometrischen Designs am wohlsten fühle. Für mich sind diese Stile am engsten mit den Ursprüngen des Tätowierens als Kunstform verbunden. Sie haben eine Tiefe und Zeitlosigkeit, mit der ich mich wirklich identifiziere.

Blackwork Tattoo von Derrick Burns

Was unterscheidet Blackwork von anderen Stilen, und wie machst du ihn zu deinem eigenen?

Was Blackwork meiner Meinung nach wirklich von anderen Stilen abhebt, ist die Geduld und Präzision, die es verlangt. Du arbeitest oft mit großen Flächen aus sattem Schwarz, was repetitiv und zeitaufwändig sein kann, aber genau da liegt die Herausforderung. Es geht nicht nur darum, Fläche zu füllen, sondern die ganze Zeit eine gleichmäßige Technik und einen gleichmäßigen Rhythmus zu halten. Wenn du die Konzentration verlierst, heilt das Schwarz nicht gleichmäßig ab oder wirkt nicht so satt, und dann ist der ganze Sinn des Stils dahin.

Für manche Artists fühlt sich diese Wiederholung vielleicht langweilig an, für mich ist sie fast meditativ. Ich mag es, in diese Zone zu kommen, in der es nur mich, meine Musik und das Ziel gibt, das Tattoo so satt und sauber wie möglich zu machen. Das ist ein Prozess, der deine volle Aufmerksamkeit verlangt. Und genau so mache ich den Stil auch zu meinem eigenen. Ich versuche, jedem Stück einen bestimmten Fluss und eine klare Absicht zu geben, egal ob ich an großen Blackout-Flächen arbeite oder Negative Space so einbaue, dass es natürlich und organisch wirkt.

Großflächiges Blackwork Tattoo mit Negative Space

Wie gehst du an ein neues Projekt heran? Erzähl uns von deinem kreativen Prozess.

Wenn ich ein neues Projekt anfange, überlege ich als Erstes, wie das Tattoo mit dem natürlichen Fluss und der Form des Körpers zusammenspielt. Mich ziehen Designs an, die sich anfühlen, als würden sie auf die Haut gehören, bei denen sich die Form des Tattoos mit den Kurven bewegt und nicht gegen sie. Ich setze Negative Space sehr bewusst ein. Für mich sind die Stellen unberührter Haut genauso wichtig wie das satte Schwarz. Sie formen das Stück und geben ihm Luft zum Atmen, fast so, als würde die Haut selbst Teil des Designs.

Viele meiner Kundinnen und Kunden kommen zu mir, weil sie alte Tattoos covern lassen wollen, das ist also ein weiterer großer Teil meines Prozesses. Statt einfach alles mit sattem Schwarz zu überdecken, arbeite ich gern mit dem, was schon da ist: Ich suche freie Hautstellen und nutze sie für neue, organische Formen, die natürlich zum bestehenden Tattoo und zum ganzen Körper passen. Es geht immer um Balance, also etwas zu schaffen, das stimmig, kraftvoll und lebendig auf der Haut wirkt.

Wie findest du als Artist die Balance zwischen Privatleben und Karriere?

Ich bin gern draußen in der Sonne, hänge mit meinem Hund ab und mache so wenig wie möglich. Diese ruhige Zeit hilft mir, nach Tagen im Studio wieder runterzukommen. Auch Musik spielt eine Rolle in meinem Leben. Ich lege als Hobby auf und veranstalte meine eigene Technonacht namens Spectrum (@spe.ctr.um). Das ist mehr als nur ein Nebenprojekt geworden, es ist ein Raum, in dem ich komplett loslassen und mich auf eine andere Art ausdrücken kann. Meine Clubnacht und das Auflegen sind für mich ein weiteres kreatives Ventil, ein Gegenpol zu meinem Job, der mir hilft, eine gesunde Balance zu halten. Beim Tätowieren wie beim Auflegen geht es für mich um Fluss und Rhythmus, nur auf unterschiedliche Weise ausgedrückt.

Hör dir Buzzed Session #1 von Derrick an.

Derrick Burns beim Auflegen

Welche Rolle spielt Community in deiner Arbeit? Wie wichtig ist dir die Beziehung zu deiner Kundschaft?

Beim Tätowieren bin ich meistens ziemlich ruhig und konzentriert. Ich bin nicht der große Redner, vor allem weil ich mich voll auf die Arbeit konzentrieren will. Ich will der Kundschaft das bestmögliche Ergebnis liefern. Das heißt aber nicht, dass es keine Verbindung gibt, es ist nur eine andere Art von Bindung. Es gibt gegenseitigen Respekt im Raum. Ich bin da, um etwas Bedeutungsvolles für sie zu schaffen, und dieses Vertrauen baut seine eigene Beziehung auf.

Mit der Zeit habe ich auch gelernt, dass es wichtig ist, ein bisschen Abstand zwischen privaten Freundschaften und dem Geschäft zu halten. Das hält alles professionell und klar, und ich glaube, die Kundschaft schätzt diese Grenze sogar. Wenn ich allerdings als Manager im Studio unterwegs bin, ist das ganz anders. Dann bin ich viel geselliger und offener, quasi das Gesicht des Studios.

Wie sieht die Zukunft für dich und Seny Tattoos aus?

Gerade liegt mein ganzer Fokus auf dem neuen Studio hier im Viertel Gràcia in Barcelona, das ist mein aktuelles Projekt. Es ist ein neues Kapitel, und ich freue mich riesig, in dieser neuen Gegend etwas Besonderes aufzubauen. Meine Priorität ist, mich in den neuen Räumen einzuleben, sie zu einem Zuhause zu machen und alles am Laufen zu halten.

Was die Zukunft angeht, mal sehen, aber ich bin immer offen für neue Chancen oder Wege, das weiterzuentwickeln, was wir bei Seny schon aufgebaut haben. Ob Kollaborationen, ein größeres Team oder neue kreative Elemente: Ich bin gespannt, wohin die Reise geht. Bleibt dran.

Mehr von Derricks Arbeiten findest du auf Instagram: @blackwork_burns