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Tattoo in der Stillzeit: Geht das? Expertinnen antworten

Titelbild: Tattoo von @tarynmce_tattoo

Mich tätowieren zu lassen, war früher mein Hobby. Ich bin durchs ganze Land gereist, um meine Sammlung mit Stücken von verschiedenen Artists zu erweitern.

Mein Instagram-Feed war voll mit Tätowierern aus aller Welt, die Liste der Leute, von denen ich mich tätowieren lassen wollte, wurde immer länger, und der freie Platz auf meinem Körper immer kleiner. Aber das war vor der Pandemie und bevor ich meine Tochter bekommen habe.

Ich bin mit einer Mama aufgewachsen, die Hebamme war, deshalb wusste ich immer, dass ich mein zukünftiges Baby stillen würde.

Ein paar Jahre später stille ich meine Tochter jetzt seit über 16 Monaten, und keine von uns beiden scheint langsamer zu werden oder aufhören zu wollen. Wir hatten mit dem Stillen echt Glück, es hat vom ersten Mal an geklappt.

"Dein Körper fühlt sich nicht immer wie deiner an"

Trotzdem war es nicht immer einfach. In der Stillzeit fühlt sich dein Körper nicht immer wie deiner an. In einem Moment bist du komplett "über-berührt" und sehnst dich nach etwas Abstand, im nächsten schwebst du auf einem kuscheligen Oxytocin-Hoch.

Aber eine Sache aus meinem alten Leben vermisse ich wirklich: tätowiert zu werden. Ich habe regelmäßig das Bedürfnis, mir ein Tattoo stechen zu lassen, um meinen Körper wieder für mich zu beanspruchen. Und ich sehne mich danach, den Übergang ins Muttersein und die neue Liebe meines Lebens mit einem oder zwei Tattoos festzuhalten.

Aber geht ein Tattoo in der Stillzeit überhaupt? Um das herauszufinden, habe ich mit Fiona Lewitt gesprochen, Tätowiererin bei Black Market Tattoo Parlour und Mama, die zwei Kinder gestillt hat, über ihre Erfahrungen als Tattoo-Artist.

Außerdem mit Maria Myers, ausgebildete Geburtsvorbereiterin, Doula, international zertifizierte Still- und Laktationsberaterin (IBCLC) und Gründerin von Milk-Making Mama, um die Mythen rund um Tattoos und Stillen zu entwirren.

Fiona Lewitt beim StillenBild: Fiona Lewitt von Black Market Tattoo Parlour beim Stillen

Kann man sich in der Stillzeit tätowieren lassen?

Ja, absolut! Die Organisation drumherum kann in der Stillzeit allerdings etwas kniffliger sein.

Du musst einen Tätowierer finden, der bereit ist, eine stillende Person zu tätowieren (dazu gleich mehr), dann sicherstellen, dass dein Baby trinken kann, während ihr getrennt seid, das Geld zusammenbekommen, die Anreise organisieren und so weiter.

Wer ein Baby bekommen hat, für den ist ein neues Tattoo doch ein Klacks, oder? Es braucht vielleicht mehr Planung als vor der Stillzeit, aber unmöglich ist ein neues Tattoo nicht.

Maria hat sich sogar ein Half Sleeve stechen lassen, als sie ihre fünf Monate alte Tochter gestillt hat, und auch Fiona hat sich tätowieren lassen, als sie für ihr erstes Kind abgepumpt hat. Es gibt also Hoffnung für uns alle!

Sollte ich dem Tattoo-Artist sagen, dass ich stille?

Ja, auf jeden Fall. Fiona empfiehlt, das schon vor dem Termin zu tun und "vorher mit dem Tattoo-Artist zu sprechen, damit klar ist, dass du stillst und er oder sie trotzdem bereit ist, dich zu tätowieren. Wenn du das vorher nicht erwähnst, wird es meistens im Einverständnisformular abgefragt, und dann kann es sein, dass der Artist das Tattoo ablehnt, wenn er oder sie sich damit nicht wohlfühlt und nicht damit gerechnet hat."

Tätowiert mich ein Tattoo-Artist, wenn ich stille?

Fiona stillt ihr Baby im orangefarbenen StramplerBild: Fiona Lewitt von Black Market Tattoo Parlour

Ein paar Tattoo-Artists haben es schon abgelehnt, mich zu tätowieren, wegen des Infektionsrisikos und falls ich schlecht auf mein neues Tattoo reagiere. Das ist ein absolut berechtigter Grund, wie Fiona erklärt:

"Das Hauptproblem beim Tätowieren einer stillenden Person ist, dass es nicht nur um das Wohl einer Person geht. Wenn sich zum Beispiel ein Tattoo entzündet und Antibiotika nötig werden (was in einem sauberen, seriösen Studio und bei korrekter Pflege sehr selten ist), gibt es bestimmte Antibiotika, die man in der Stillzeit nicht nehmen darf, und die meisten gehen in die Muttermilch über.

Wenn du nach dem Tattoo ohnmächtig wirst, dir den Kopf stößt und ins Krankenhaus musst, geht es nicht nur um dein Wohlbefinden, da ist auch ein Baby, das essen muss."

Wenn sich jemand nicht sicher fühlt, dich in der Stillzeit zu tätowieren, ist diese Person gerade nicht der richtige Artist für dich. Dann musst du recherchieren und jemanden finden, der es ist.

Zum Beispiel Fiona, die durch das Stillen ihrer eigenen Kinder viel Wissen über das Stillen und die Wissenschaft dahinter gesammelt hat. Sie tätowiert "gern stillende Menschen, solange sie meine Kriterien erfüllen, wir vorher ausführlich über mögliche Probleme gesprochen haben und sie es trotzdem machen wollen."

Ist ein Tattoo in der Stillzeit sicher?

Von Maria gibt es ein Ja! Trotzdem kannst du einiges tun, damit es noch sicherer wird. Maria empfiehlt, gründlich zu recherchieren, ob das Tattoo-Studio "Sicherheitsrichtlinien befolgt und die nötigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen trifft", damit dein Tattoo in der Stillzeit sicher ist.

Sie rät dir, deinem Artist und dem Studio Fragen zu diesen Punkten zu stellen:

  • Genehmigung bzw. Lizenz
  • Abgeschlossene Schulungen zu Kreuzkontamination, Hygiene und Sicherheit
  • Desinfektionsstationen, inklusive Waschbecken, antibakterieller Waschlotionen und Desinfektionsgele
  • Ablauf beim Aufbau und bei der Reinigung des Arbeitsplatzes
  • Verwendung neuer Nadeln, Handschuhe, einzelner Farbkappen und anderer Tattoo-Ausrüstung
  • Abdecken und Reinigen der Tattoo-Maschine

Jedes seriöse Tattoo-Studio und jeder seriöse Tattoo-Artist hält sich an strenge Richtlinien, um Kreuzkontamination und Infektionen so gering wie möglich zu halten. Wenn du dir bei einem Studio oder Artist unsicher bist, sprich am besten offen über deine Ängste oder Sorgen.

Halte dich nach dem Tattoo an die Pflegehinweise deines Artists. Dazu gehört zum Beispiel, wie lange die Frischhaltefolie drauf bleibt und welche Pflegecreme du verwenden kannst.

Was ist das größte Risiko beim Tätowieren in der Stillzeit?

Wie Fiona erklärt hat, ist das größte Risiko bei einem neuen Tattoo in der Stillzeit eine Infektion. Das gilt aber grundsätzlich für jedes Tattoo. Manche Tattoo-Artists tätowieren keine stillenden Menschen, weil sie kein Risiko eingehen wollen, wenn das Wohl einer weiteren Person, nämlich des Babys, betroffen sein könnte.

Maria sieht das genauso. "Viele Studios haben eigene Regeln, und dazu kann gehören, dass sie keine stillenden Menschen tätowieren", sagt sie. "So schützen sie sich selbst für den Fall, dass du nach Hause gehst, eine Infektion bekommst und jetzt zwei Menschen (dein Baby und du) von dieser Komplikation betroffen sind.

Es ist also das gute Recht des Studios, dich nicht zu tätowieren. Das hat mit Vorsicht in Bezug auf die Nachsorge und dem seltenen Fall einer Komplikation zu tun, NICHT damit, dass das Tätowieren oder die Farbe für stillende Menschen nicht sicher wären."

Kann Tattoofarbe in die Muttermilch gelangen?

Die Still-Organisation La Leche League International erklärt, dass die Moleküle der Tattoofarbe zu groß sind, um beim Tätowieren in die Muttermilch überzugehen.

Beim Tätowieren wird die Farbe in der oberen Schicht der Dermis eingeschlossen. Maria bestätigt die Wissenschaft dahinter und sagt, dass die Farbmoleküle "deinem Kind nicht schaden".

Unklar ist allerdings, ob die Farbe in den folgenden Monaten und Jahren in die Muttermilch übergeht, während dein Körper sie langsam abbaut. Es liegt also ganz bei dir, ob du dich in der Stillzeit tätowieren lässt oder wartest, bis du abgestillt hast.

Sollte mein Baby ein bestimmtes Alter haben, bevor ich mich tätowieren lasse?

Laut Maria musst du nicht warten, bis dein Baby ein bestimmtes Alter erreicht hat. Allerdings kannst du dein Baby wahrscheinlich nicht mit zum Termin nehmen, weil viele Tattoo-Studios keine Kinder erlauben.

Und wenn dein Baby sehr häufig trinkt, wie es viele in den ersten Monaten tun, hast du vielleicht gar nicht die Gelegenheit, für ein Tattoo eine Weile wegzugehen.

Fiona tätowiert zwar gern stillende Menschen, hat aber ein paar Bedingungen, vor allem was das Alter des Babys angeht. Aus eigener Erfahrung empfiehlt sie:

  • Elternteil und Baby sind beide gesund
  • Das Stillen hat sich gut eingespielt
  • Das Baby kann ein paar Stunden ohne das stillende Elternteil sein und aus Becher oder Flasche trinken, ohne danach Probleme zu haben, wieder an die Brust zu gehen
  • Das Baby ist mindestens 6 Monate alt

Fiona erklärt, dass es bei diesen Richtlinien vor allem darum geht, "dass der Körper nach der Geburt ausreichend verheilt ist. Die Heilung nach einer Geburt (vor allem nach einem Kaiserschnitt) dauert viel länger, als bis du dich okay fühlst oder vom Arzt oder der Hebamme grünes Licht bekommst."

Wie alt dein Baby bei deinem Tattoo ist, entscheidest du. Dein Tattoo-Artist hat aber vielleicht, wie Fiona, eigene Richtlinien, damit ihr beide sicher seid.

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Beeinflusst der Schmerz meine Milchmenge?

Zusätzlich zu der Sorge, ob du den Schmerz aushältst oder ob deine Wunschstelle besonders fies ist, machst du dir in der Stillzeit vielleicht auch Gedanken um deine Milchmenge.

Maria beruhigt uns: Der Schmerz beim Tätowieren "sollte die Milchmenge nicht beeinflussen", aber der Stress rund ums Tattoo und "Stress für den Körper kann manchmal den Milchfluss beeinflussen".

Maria erklärt weiter, dass die Menge der Milch, die du produzierst, nicht beeinträchtigt werden sollte, du aber einen langsameren Milchfluss als sonst bemerken könntest. Sie empfiehlt warme Kompressen und Massage, damit die Milch nach dem Tattoo wieder besser fließt.

Schmerz empfindet zwar jeder anders, aber vielleicht merkst du wie Fiona, dass deine Schmerztoleranz seit der Geburt gestiegen ist. Sie "fand, dass Tattoos nach der Geburt gar nicht mehr so schmerzhaft waren!"

Ein Tattoo-Artist hat zugesagt. Und jetzt?

Denk über Größe und Stelle nach

Ganz oder gar nicht, oder? Bei deinem ersten Tattoo nach der Geburt vielleicht eher nicht. Fiona rät von einem riesigen Tattoo in der Stillzeit ab. Vor allem, weil "Schwangerschaft und Geburt so eine große Veränderung und so ein Trauma für den Körper sind, dass er ganz natürlich anders auf Dinge reagiert als vorher.

Ganz zu schweigen von den hormonellen Veränderungen und dem Mangel an Schlaf und Energie, die gerade woanders gebraucht wird (nämlich um Milch zu produzieren!). Das alles beeinflusst, wie gut dein Körper ein Tattoo heilen kann und wie du das Stechen erlebst."

Denk auch an die Stelle deines Tattoos und an die Entwicklungsphase deines Babys. Wird es wahrscheinlich an deinem neuen Tattoo kratzen, reiben oder draufhauen? Kannst du beim Stillen deine üblichen Positionen bequem einnehmen? Wenn du dir den Arm tätowieren lässt, kannst du dein Baby dann noch tragen oder baden?

Schwangerschaft und Geburt verändern deinen Körper auf alle möglichen Arten. Wenn du überlegst, dir dein Tattoo in der Nähe von oder sogar über Dehnungsstreifen stechen zu lassen, lies unseren Guide für mehr Tipps.

Vorbereitung auf deinen Tattoo-Termin

In den Tagen vor deinem Termin und am Tag selbst solltest du dafür sorgen, dass du so fit wie möglich in deine Session gehst.

"Versuch, gut zu schlafen, und plan Ruhe rund um den Termin ein (so viel Schlaf, wie mit Kind eben möglich ist!). Ruhe ist sehr wichtig für die Heilung deines Körpers", sagt Fiona. "Iss vor deinem Tattoo und nimm vielleicht etwas zu trinken und einen Snack mit, falls du es brauchst!"

Lies auch unseren Guide zur Vorbereitung für mehr Tipps, und wenn dein Tattoo fertig ist, erfahre, wie du mit deinem neuen Tattoo schlafen kannst.

Muss ich vor dem Tattoo abpumpen?

"Du musst weder abpumpen noch die Milch wegschütten", sagt Maria, "weil die Partikel nicht in die Milch gelangen." Bei einer langen Tattoo-Session rät Maria aber, abzupumpen, um "Komplikationen mit der Milchmenge zu vermeiden".

Frau mit Milchpumpe unter dem T-ShirtBild: Fiona beim Abpumpen

Die Heilung deines neuen Tattoos

Bevor du dich in der Stillzeit tätowieren lässt, fragst du dich vielleicht auch, wie dein neues Tattoo heilen wird. Ob es länger dauert als sonst oder welche Pflege du verwenden solltest.

Tätowiererin Fiona hat bei der Heilung in der Stillzeit die Erfahrung gemacht, "dass es etwas länger gedauert hat als sonst bei meinen Tattoos, aber das ist nicht bei allen gleich". Vielleicht heilt dein Tattoo genauso wie früher, vielleicht auch ganz anders. So oder so rät Fiona:

"Halte dich so genau wie möglich an die Pflegehinweise des Artists (und nimm dir in deinem Alltag mit Baby wirklich Zeit dafür. So schwierig Selbstfürsorge nach der Geburt ist: Für die Heilung deines Tattoos ist es extrem wichtig, dass du es sauber hältst, um eine Infektion zu vermeiden). Und versuch dein Bestes, das frische Tattoo von kleinen, grabschenden Babyhänden fernzuhalten!"

Behalte dein Tattoo genau im Blick, ob sich Anzeichen einer Entzündung zeigen. Wenn ja, sprich mit deinem Artist oder einem Arzt oder einer Ärztin. In unserem Guide zur Tattoo Heilung findest du noch mehr Tipps.

Tipps für Tattoo-Artists

Wenn du als Tätowierer oder Tätowiererin unsicher bist, ob du jemanden tätowieren sollst, der stillt, rät Fiona: "Recherchier ein bisschen und stell sicher, dass du dich wohlfühlst. Und wenn nicht, ist das auch völlig okay!"

Fiona hat außerdem eine zusätzliche Klausel in ihrem Einverständnisformular, damit "die Kundin das mögliche Risiko versteht, trotzdem weitermachen möchte und die Pflegehinweise sorgfältig befolgt".

Sie ermutigt Artists außerdem, "keine Angst zu haben, die Hautstruktur ist meiner Erfahrung nach nicht anders".

Tattoo in der Stillzeit: Das Video

Im Video erklärt Maria noch ein bisschen mehr zum Thema Tattoo in der Stillzeit (auf Englisch).

Wenn du noch unsicher bist: Maria bietet Online-Beratungen an, in denen du über sichere Praktiken in der Stillzeit sprechen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Darf man sich in der Stillzeit piercen lassen?

Ja, du kannst dich in der Stillzeit piercen lassen. Achte nur darauf, einen Piercer und ein Studio mit hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards zu wählen, und halte dich an die Pflegehinweise, die du bekommst. Du kannst nach der Genehmigung, Nachweisen über Schulungen und den Hygieneabläufen fragen.

Darf man in der Stillzeit ein Tattoo lasern lassen?

Es gibt kaum Forschung dazu, wie sich eine Tattooentfernung per Laser in der Stillzeit auswirkt, bei der größere Mengen Farbe im Körper freigesetzt werden. Deshalb empfiehlt die Still-Organisation La Leche League International, zu warten, "bis das Abstillen abgeschlossen ist, bevor Tattoos per Laser entfernt werden". Wenn du dich trotzdem entscheidest, in der Stillzeit ein Tattoo entfernen zu lassen, gelten bei der Nachsorge und der Studiowahl dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei einem Tattoo.

Darf man in der Stillzeit Permanent Make-up machen lassen?

Permanent Make-up ist eine Form des Tätowierens, also ja, auch in der Stillzeit ist Permanent Make-up möglich. Egal, ob du dir die Augenbrauen oder Sommersprossen tätowieren lässt: Achte darauf, dass das Studio und die Kosmetikerin hohe Hygienestandards haben und Richtlinien gegen Kreuzkontamination einhalten.

Tätowiererin Fiona hat sich in der Stillzeit Permanent Make-up an den Augenbrauen machen lassen, aber auf die Betäubungscreme verzichtet, weil sie nicht sicher war, ob sie in der Stillzeit unbedenklich ist. Darüber solltest du vielleicht auch nachdenken, wenn du beim Tätowieren Betäubungscreme verwendest. "Es war ehrlich gesagt sowieso nicht schlimm genug, um sie zu brauchen". Vielleicht kommst du wie Fiona auch ohne aus.